Dr. Murkes Bilderwelt

Wrack der "Chrisoula K." (Dora Oldendorff)

Abu Nuhas, Rotes Meer/Ägypten
GPS N 27° 34,823 E 33° 55,731
Max Tiefe 24m, Min. Tiefe 2m

 

Bordwand

Am 16.12.1953 lief das Schiff, das später als "Chrisoula K." ein trauriges Ende nehmen würde, unter dem Namen Dora Oldendorff vom Stapel. Die Reederei E. L. Oldendorff setzte das in Lübeck von Orenstein & Koppel gebaute Schiff als Stückgutfrachter ein. Als letzte Fracht hatte die "Chrisoula K." 3700 t italienische Bodenfliesen geladen, und diese liegen auch heute noch im Laderaum des Schiffes. Unter Tauchern ist sie daher auch als "Fliesenfrachter" bekannt.

Daß das Penetrieren von Wracks nichts für Tauchanfänger ist, gilt in besonderem Maße  bei der "Chrisoula K."!

Zwar ist das Wrack gut zugänglich und sehr interessant, aber die "Chrisoula" weist so ziemlich alle Gefahren des Wracktauchens auf die man sich vorstellen kann. Die "Chrisoula"  gehört mittlerweile eindeutig zu der Sorte Wrack, die man nur mit einiger Erfahrung  penetrieren sollte!

Das Schiff hat seine endgültige Lage noch nicht gefunden, und wer bereits öfters dort war, kann deutliche Veränderungen ausmachen. Im Inneren sind die Vertikalstreben der Handläufe teilweise so verrostet, daß sich wahre Speere gebildet haben. An vielen Stellen stehen rasiermesserscharfe Metallteile ab, die sehr leicht den Anzug aufschlitzen oder - wie einem Tauchpartner passiert, den Fuß!

Hinzu kommt, daß die "Chrisoula" sehr viele Engstellen besitzt (Stichwort: "Wellentunnel" oder der Schacht im Motorraum). Man muß sich unbedingt vorher überlegen, wie man aus der Engstelle wieder  herauskommt - Wenden ist oft nicht möglich!

Auch wenn die ägyptische Regierung das Tauchen mit Handschuhen gesetzlich verbietet, sollte das Wrack nur mit Handschuhen betaucht werden. Es läßt sich nicht vermeiden, sich irgendwo festzuhalten und neben zu erwartenden Schnittwunden muß man auch mit leichten Verätzungen vor allem der Fingerkuppen rechnen. Woher diese Verätzungen kommen, konnte ich nicht definitiv herausfinden, ich habe allerdings den überall vorhandenen Bewuchs mit flaumartigen Weichkorallen in Verdacht. 

Schraube

Bei den Tauchgängen muß man sich bewußt sein, daß jederzeit(!) irgendwo etwas ab- oder einbrechen kann oder sich gar die Lage des Schiffes verändern kann! 

Während bei früheren Tauchgängen der Wellentunnel nur vom Inneren her zugänglich war, kann man jetzt auch von der Schraube her kommend hineintauchen. Die Schiffswand ist dort weit aufgeplatzt.

 
Motor

Eine Anekdote zum Schluß: mit uns auf dem Tauchboot war jemand, der früher zur See fuhr und Anfang der 60er-Jahre einige Zeit auf der Dora Oldendorff angeheuert hatte. Er war schon öfters dort und hatte während seines ersten Tauchgangs am Wrack gar nicht gewußt, daß das früher mal "sein" Schiff war.

Es war sehr interessant, das Wrack mit jemandem zu betauchen der es "zu Lebzeiten" gekannt hat.

Noch ein par Daten zum Schiff: Länge ca. 100m, Breite ca. 15m, Lage UW ca. 30░ geneigt. 
Aufgelaufen am 30.08.1981, später dann zerbrochen und gesunken.

Die Daten stammen aus dem Buch "Wracktauchen - Die schönsten Wracks im Roten Meer", Stoll, Kefrig, Mietz, erschienen im Naturbuch-Verlag, ISBN 3-89440-353-5

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